Kreis : Quadrat : DreieckWer sich ein Bild darüber machen will, was Corporate Design kann, dem sei ein Besuch der Schmermund Maschinenbaugesellschaft angeraten.VON ERNESTINE VON DER OSTEN-SACKENBisweilen ziehen Räumlichkeiten magisch an. Weil sie ganz einfach schön sind, Atmosphäre verströmen und zeigen, daß sich jemand bei der Einrichtung - bis ins Detail - liebevoll um sie gekümmert hat. In den Hamburger Geschäftsräumen der Maschinenbaugesellschaft Schmermund ist diese Aura vom ersten Augenblick an spürbar. Nobel ist die Adresse und von historischem Flair umgeben: Die Firma residiert am Jungfernstieg 34, im ersten und zweiten Stock des kurz nach der Jahrhundertwende wiedererrichteten Heine-Hauses. Bereits im Foyer trifft man auf das Schmermund-Logo, das aus drei geometrischen Grundelementen besteht: Kreis, Quadrat und Dreieck. In den grauen Granit der Empfangshalle eingelassen, setzen sich diese Strukturen in der darüber aufsteigenden Wand fort. Nahezu allgegenwärtig finden sich diese Elemente auch auf Briefköpfen der Firma, auf Türgriffen und auf den Zigarettenpackungen, die als Muster auf dem Konferenztisch liegen. Kreis, Quadrat und Dreieck stehen so als Sinnbild für ein klar durchstrukturiertes Corporate Design und gleichzeitig als abstraktes Symbol für das, was das Unternehmen herstellt: Maschinen zur Verpackung von Zigaretten. |
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VERLEIHT DEM GESCHÄFT FLÜGEL: Firmenlogo allenthalben, auch auf Türklinken. | ||
| Die Firmengeschichte begann vor gut 60 Jahren. 1935 gründete der Ingenieur Alfred Schmermund in Gevelsberg bei Wuppertal sein erstes Werk für Zigarettenverpackungsmaschinen. Damit erschloß er sich einen exklusiven Markt, der bis heute hochrentabel ist. Weltweit gibt es lediglich fünf Konkurrenten. Maschinen sind nüchtern anmutende Produkte, die nicht viel Raum für kreative Ansätze lassen. Doch als der heute 47jährige Ulrich Schmermund das Familienunternehmen Anfang der achtziger Jahre übernahm, änderte sich einiges. In Zusammenarbeit mit der Fotografin und Designerin Zoé Roussadana wurde ein völlig neues Corporate Design entwickelt. Das fing bei der Gestaltung der Maschinen an. Sie wurden nicht nur leichter bedienbar und funktioneller, sondern erhielten auch andere, von der Norm abweichende Farben. "Früher waren Tabakmaschinen grün. Das fanden wir langweilig", sagt Zoé Roussadana. Aus schnödem Maschinengrün wurde so die Unternehmensfarbe Türkis entwickelt, die sich neben Schwarz und Rot in den Räumen der Hamburger Hauptverwaltung immer wieder findet. Andere Grundelemente des Schmermund-Designs sind der gestrengen Welt der Maschinen entlehnt, nämlich Klarheit und Funktionalität. Einen "konsequenten Stil" nennt das Roussadana. Das unterstreicht auch die Wahl der Materialien: Polierter Granit zieht sich durch die Empfangsräume im Erdgeschoß, Zwischenwände und Türen sind aus Edelstahl und gefärbtem Panzerglas gefertigt. An anderer Stelle verkleiden schwarze Kacheln aus hochpoliertem Granitstaub den Putz. Diese Gradlinigkeit des Designs greift nicht zuletzt auf die Bauhaus-Tradition zurück. Stuhlklassiker wie die Freischwinger, die sich in fast allen Räumen finden, zählen ebenso dazu wie die van-der-Rohe-Stühle, die Lilly Reich mit einem Naturrohrgeflecht versah. Das weltweit in den Schmermund-Büros verwendete Rosenthal-Geschirr "Gropius" wurde einst vom Meister selbst entworfen. Und sogar Lichtschalter und Steckdosen basieren auf Bauhaus-Design. |
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| ANHEIMELND - Zwar kein trautes Heim, aber geradezu himmlisch: die Schmermund-Zentrale. | ![]() |
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| Funktionalität bedeutet in der heutigen Geschäftswelt zunehmend Flexibilität und Mobilität. Auch das spiegeln die Schmermund-Räume. Roussadana: "Die einzelnen Büros werden immer wieder anders genutzt und sind so angelegt, daß sie schnell umgestaltet werden können." Bestimmte Kernelemente finden sich deshalb überall wieder. Dazu gehören neben den Freischwingern auch ein flexibles Regalsystem (USM-Haller) und ein ovaler Schreibtisch (Entwurf nach Breuer, bei Tecta). Er schaffe eine "besonders kommunikative Raumsituation", findet die Designerin. Nicht alle Möbel und Einrichtungsgegenstände werden neu gekauft oder angefertigt. "Viele Stücke sind Originale aus dem Gründungsbestand des Unternehmens", sagt Roussadana. Dazu gehören beispielsweise einige "schmermundtürkis-farbene" Mauser-Sessel im sogenannten kleinen Konferenzzimmer, aber auch ein Fiat-Kühlschrank und diverse Krankenhaus-Möbel, die - dem Corporate Design entsprechend - schwarz lackiert wurden. Andere Gegenstände spielen auf besondere Momente in der Firmengeschichte an. Der rote Lederstuhl im Chefzimmer zum Beispiel begleitet Ulrich Schmermund seit seinen Kindertagen. Die tellergroßen Scheibenleuchten an den Flurwänden und die Stehlampen aus Aluminium wurden in den dreißiger Jahren vom Berliner Gerhard Muthesius für den Palast eines indischen Maharadschas entworfen - für den Kenner eine neckische Anspielung: Indien war nämlich das erste Exportland des Unternehmens. |
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AUSBLICK - Wer hier arbeiten darf, ist zum Erfolg fast schon verurteilt. | ||
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Doch Maschinen sind ohne Metall nicht denkbar. Deshalb säumen in den Räumen der Schmermund Maschinenbaugesellschaft dünne Stahlbänder die Wände und sorgen für optische Auflockerung. Die Türgriffe mit Firmenlogo, nach Entwurf von Roussadana gestaltet, sind aus Edelstahl und Messing. "Stahl ist nicht gleich Stahl und Guß nicht einfach Gußstahl. Auch in diesen starren Dingen stecken Tiefe und Vielschichtigkeit", sagt die Designerin. Und genau das müsse auch den Mitarbeitern bewußt gemacht werden. Den Bezug zur industriellen Fertigung nimmt auch das große Aluminium-Regal auf, das sich in einem der hinteren Büroräume im ersten Stock befindet: Das Stück, nach einem Entwurf des Designers Thomas Wendtland gebaut, ist mit einer mobilen Hängeleiter versehen. Die Bretter des Regals sind aus grau gefärbtem Mahagoni gefertigt und mit eingelegtem Linoleum geschmückt - ein bewußter Bezug zum Heine-Haus, in dem Linoleum an verschiedenen Stellen auftaucht. "Design ist für mich Bewegung, Handeln, Sich-Entscheiden, Sich-Ausdrücken und Fortschreiten", sagt Zoé Roussadana. Ein Credo, das sich auch auf das Unternehmen Schmermund übertragen ließe: In den vergangenen Jahrzehnten schraubte sich die Firma zu einem Weltunternehmen empor, das heute jährlich rund 150 Millionen Mark umsetzt. Die geflügelten Kerzenleuchter auf dem Schmermund-Konferenztisch haben insofern symbolische Bedeutung: Sie scheinen darauf hinzuweisen, daß sich auf dem immer komplexeren Weltmarkt nur bewährt, wer - gleichsam aus der Vogelperspektive - durch ein klares Konzept den Überblick behält. |
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