Wie Reiche und Schöne wohnenKarl Lagerfelds Villa ist für 6,5 Millionen verkauft. Otto wohnt in Blankenese und Helmut Schmidt im Reihenhaus - ein ReportVON ERNESTINE VON DER OSTEN-SACKENSKYLINE XIII 1/98 August 1997: Im noblen Stadtteil Blankenese trifft sich die Schickeria Hamburgs, um in edlem Rahmen den neuen Herrenduft von Modekönig Karl Lagerfeld zu feiern. Rund 200 Gäste sind geladen, darunter Film-Macho Heiner Lauterbach samt vollbusiger Freundin Jenny Elvers, Champagner-Prinzessin Caroline Krug und - natürlich - das Glamour-Geschlecht derer von Bismarck. Ort des Geschehens: Lagerfelds Villa Jako am Wilmans Park, vom Couture-Fürsten höchstselbst aufwendig restauriert und üppig eingerichtet. Die neoklassizistische Villa, Anfang der zwanziger Jahre für einen Kaufmann erbaut, prunkt in neuem Glanz - mit Marmorböden, handbemalten Wandflächen, kostbaren Elfenbein- und Ebenholzschnitzereien und einer blattvergoldeten Holzdecke. |
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| "EIN DEUTSCHES HAUS" ... nannte Karl Lagerfeld seine Villa Jako - jetzt hat er sie verkauft. |
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| "Meine Passion" nennt Karl Lagerfeld seine Hamburger Residenz mit "unverbautem" Blick auf die Elbe. Er verewigt sie in seinem Fotoband "Ein deutsches Haus" und vermarktet sie in der Werbekampagne für sein neues Parfüm. Gegenüber der Presse schwärmt der gebürtige Hanseat und Sohn eines schwedischen Dosenmilch-Importeurs von der "mysteriösen Atmosphäre" der Villa, die ihn an das großbürgerliche Deutschland seiner Eltern erinnere.
Zwei Monate später steht das nach einem griechischen Halbgott benannte Domizil zum Verkauf. "Karl Lagerfeld trennt sich von der Villa Jako", heißt es im offiziellen Pressetext. Der Modezar habe bereits beim Kauf der Villa angekündigt, sie nicht auf Lebzeiten behalten zu wollen. Spekulationen über wirtschaftliche Schwierigkeiten weist er zurück: "Da verkauft man ein Bild, und der Fall ist erledigt." Wenige Wochen später hat Hamburgs Nobel-Immobilie Nummer eins einen neuen Eigentümer: Michael Haentjes, Produzent von Teenager-Idol Blümchen, war sie 6,5 Millionen Mark wert - rund 2,5 Millionen über dem ursprünglichen Kaufpreis, wie böse Zungen behaupten. König Karl widmet sich nun mit dem japanischen Architekten Tadao Ando einem modernen Neubauprojekt. Spektakuläre Immobilien wie die Villa Jako sind auf dem Hamburger Immobilienmarkt rar: "Nur 20 bis 30 Prozent unserer Kunden suchen Wohnimmobilien in der Preisklasse von drei bis sieben Millionen Mark", sagt Thomas Kirst, Geschäftsführer der Hamburger Wohnbüros der Engel & Völkers GmbH. Gefragt seien vielmehr Stadthäuser in zentraler Lage für 2,5 bis 3 Millionen Mark. Konjunktur hätten auch Penthouses mit Blick auf die Alster. Hier bestimme das knappe Angebot den Preis. Kirst: "Vereinzelt werden bis zu 14 000 Mark pro Quadratmeter gezahlt." |
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| INNEN UND AUSSEN "IN"-KRITERIEN ERFÜLLT Die Elbchaussee 139b bringt gute Voraussetzungen für edles Wohnen mit: Wasserlage und wertvolle Baustoffe setzen die Schönen und Reichen als "Standard" voraus. |
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| Der klassische Käufer für Hamburger Nobel-Immobilien ist nach wie vor der hanseatische Kaufmann. Häufig wohnt er bereits in seinem bevorzugten Stadtteil, denn in Hamburg bleibt man gern unter sich. Zugereiste - das ist kein Geheimnis - haben es schwer, Fuß zu fassen. Erstklassige Objekte werden oft nur unter der Hand vergeben - dafür nimmt man auch gern Wartezeiten in Kauf. Kirst: "Kunden haben heute ganz klare Vorstellungen davon, was sie haben möchten. Kompromisse gehen sie selten ein." Wasserlagen sind in der Hafenstadt besonders gefragt, etwa in den "Elbvororten" Blankenese und Övelgönne. Hier tummelt sich, wer reich und prominent ist - Schlagersänger Bill Ramsey, Blödel-Barde Otto Waalkes und die Verlegerfamilie Bauer. Auch Peter Tamm, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Springer AG, und Bild-Chefredakteur a.D. Günter Prinz wählten Blankenese zum Domizil, so wie der Sozialforscher und Multimillionär Jan Philipp Reemtsma; er wurde hier im Frühjahr 1996 vor seiner Villa entführt. In dem noblen Hamburger Vorort ist die Elbchaussee erste Adresse. Eingesessene wissen den Weizen von der Spreu zu trennen: Richtig schick und teuer ist nur die dem Elbufer zugewandte Straßenseite. Für eine Villa mit Elbblick sind drei Millionen Mark hinzublättern - mindestens. Diesen Preis erzielen auch schon einmal Eigentumswohnungen hier. Die 270 Quadratmeter große Etagenwohnung in der Elbchaussee 159b etwa bietet Engel & Völkers für den stolzen Kaufpreis von 3 250 000 Mark feil. Teuer zu bezahlen ist hier vor allem die Aussicht. Die modern eingerichtete Wohnung liegt vis-à-vis vom Containerhafen. Eine Holzveranda verläuft rund um das Haus; von hier sind die vorbeiziehenden Schiffe zu beobachten. Die großen Fensterfronten, die Einbauschränke auf Maß, die Böden aus hellem Travertin und kanadischer Buche sind bei dieser Luxuswohnung Nebensache. Auch der gelegentlich vom Wind herübergetragene Lärm der Verladekräne stört niemanden, liegt die Wohnung doch dort, wo Hamburg am hanseatischsten ist - direkt an der Elbe. |
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GUTE STUBE FÜR GUTES GELD ... Noch zu haben: Die Heimhuder Straße 9 steht zum Verkauf. Allerdings nur das Erdgeschoß, und für die 250 Quadratmeter sind fast 3 Millionen zu berappen. Nicht ungewöhnlich für die Elbmetropole. |
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| Auch im Alstertal setzt der Kauf einer Wohnung einen prallgefüllten Geldbeutel voraus. Ab 5500 Mark pro Quadratmeter kosten Eigentumswohnungen in erster Lage. Für eine der eher selten gehandelten Villen müssen Interessierte noch tiefer in die Tasche greifen: Es kostet sie von drei Millionen Mark an aufwärts.
Wer das piekfeine, historische Ambiente verschmäht, den zieht es vielleicht in die Ottenser Prahlstraße. Dort steht in einer schmalen Baulücke ein Architektenwohnhaus. Es erstreckt sich über fünf Wohnebenen. Entwurf und Gestaltung sind für Minimalisten - sie bestechen durch kühle Klarheit. Philippe-Starck-Design prägt die Badezimmer, Stahl, Glas und Ahornparkett die übrigen Räume. Besonderheit des Hauses: Um der durch das Grundstück bedingten Enge zu begegnen, ersannen die Architekten das System der "atmenden Räume": Die Längswand ist verschiebbar, so daß Flure und Zimmer immer wieder neu aufgeteilt werden können. Trotz allem hat das Haus in der Prahlstraße einen Schönheitsfleck: Der Elbblick fehlt. Dafür kosten die rund 190 Quadratmetern auch "nur" 1,2 Millionen Mark. Angesichts der Preise anderer Edel-Immobilien fast ein Schnäppchen. Und außerdem kann das noble Wohnen in schlichter Umgebung dem Image förderlich sein - wenn Understatement geboten ist. Mit gutem Beispiel voran geht Altbundeskanzler Helmut Schmidt: Er residiert seit eh und je in einem Reihenhaus im kleinbürgerlichen Langenhorn. |
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| ... UND HINTER HISTORISCHEN MAUERN Kritiker mögen es nicht, die Reichen kaufen es: neoklassizistische Fassade der Heimhuder Str. 9 |
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| Ebenfalls am Wasser - rund um die Außenalster - liegen die "in"-Gegenden Hamburgs: Uhlenhorst, Winterhude, Eppendorf und Harvestehude. Wer hier eine Wohnung sein eigen nennt, ist kein Durchschnittsverdiener: Bis zu 12 000 Mark kostet der Quadratmeter in erster Lage. Zu den Top-Adressen Eppendorfs gehört der Leinpfad, wo Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein residiert. Nicht weit davon, am Eppendorfer Baum, erstreckt sich die Isestraße: Fast Tür an Tür wohnen hier Nachrichtensprecher Wilhelm Wieben, "Schwarzwaldklinik"-Star Klaus Jürgen Wussow und Hamburgs Bürgermeister a.D. Klaus von Dohnanyi. Fast um die Ecke, im Jungfrauenthal, lebt "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert. Doch Vorsicht, auch hier ist Adresse nicht gleich Adresse. Der Volksmund unterteilt die noble Isestraße in drei Lagen: "Ise-", "Miese-" und "Fiesestraße".
Recht vornehm wohnt es sich auch in Pöseldorf. Immobilien sind hier - zwischen Alster und Rothenbaumchaussee - herrschaftlich, wenn nicht hochherrschaftlich, wie die Eigentumswohnung in der Heimhuder Straße 9. Im Hochparterre einer neoklassizistischen Stadtvilla gelegen, empfängt sie den Besucher mit einer marmornen Eingangshalle. Sie übertrifft nicht nur nach Angaben des Maklers "alle Erwartungen": prachtvoller Stuck, Holzschnitzereien und ein lichtdurchfluteter Wintergarten. Stuckverziert ist sogar die Gästetoilette - unter einer prachtvollen Kuppel. Apart ist auch der Preis für das 250-Quadratmeter-Stadt-Palais: fast 3 Millionen Mark. Wer seinen Reichtum nordisch unterkühlt mehr verstecken als zeigen möchte, der sollte ins Alstertal ziehen. In die Stadtteile mit den klangvollen Namen "Wellingsbüttel", "Poppenbüttel" und "Hummelsbüttel" zieht es vor allem das "alte" Hamburger Geld. In Wellingsbüttel haben etwa Ex-Bürgermeister Henning Voscherau und die Verlegerfamilie Jahr ihren Wohnsitz. Jungen Frauen auf Millionärsjagd empfahl ein Szene-Magazin unlängst, in Poppenbüttels Bäkkereien Ausschau zu halten - nach älteren Herren mit verschlissenen Jacken. |
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