| 3. Juni 2000
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BacksteinbodenständigkeitArnt Cobbers besucht eine freundliche, aber altmodische Siedlung.von Arnt CobbersDer Wohnpark liegt zwischen Feldweg und Bahnhofstraße, und so sieht er auch aus: gebaut im Geist der guten alten Zeit, gemauert aus rotem und gelbem Backstein, mit roten Satteldächern und hölzernen Außentreppen. Nur keine Experimente, haben sich anscheinend die Planer gesagt. Nur nicht auffallen, scheinen sich die Bewohner heute zu sagen. Vögel zwitschern, Hähne krähen, und hinter der großen Wiese hört man plötzlich die Bahn vorbeifahren. Aber ihr Rattern stört den Frieden kaum. Man muss das Gediegene mögen, um sich im Wohnpark wohl zu fühlen. Dabei haben die Planer geschickt versucht, keine Monotonie aufkommen zu lassen. Die verschiedenen Haustypen sind bunt durcheinander gewürfelt. Dass es sich nur um einige wenige Standardtypen handelt, fällt kaum ins Gewicht. Außentreppen, aufgeständerte Balkone, Erker, Einfriedungen der Mülltonnen, alles ist aus Holz, ebenso die selbst gebauten Garagen. Das macht die Anlage freundlich. Die Fläche des Wohnparks ist ein unregelmäßiges Quadrat, an drei Seiten von Straßen eingefasst, an der vierten an einen großen Wiesengrund grenzend. Durch Stichstraßen ist das Areal in unterschiedlich große Drittel geteilt. Getrennt werden sie durch ein Wiesengebiet mit Teich, verbunden durch kleine Fußwege. Da gibt es den Neurüdnitzer Ring, die Lindenstraße oder die Bürgermeisterstraße. Sackgassen gibt es nicht. Die sorgfältig gepflasterten Straßen haben ein richtiges Profil: mit heller Fahrbahn, grauer Regensenke und roten Fußwegen an beiden Seiten. Das macht was her, auch wenn der Verkehr kaum danach ist. Das Geschäftszentrum bildet ein rechteckiges Karree, das einzige des ganzen Areals. Sein Inneres ist zu einem Platz ausgebaut, der mit rot-blau gemusterten Steinplatten, Kinderspielplatz und einigem Grün einen angenehmen Anblick bietet. Die zweigeschossigen Bauten um den Platz sind weniger gelungen: Mit monotoner Außenfassade und entschieden zu klobigen Krüppelwalmdächern, in die Balkone mit Holzbrüstungen oder wuchtige Gauben gesetzt sind. Die Erdgeschosse sind ausnahmslos als Laden- und Büroflächen mit großen Schaufenstern angelegt. Viele Läden stehen leer; ein Drogeriemarkt, ein Getränkehandel und der kombinierte Post- und Obstladen haben Pioniergeist bewiesen. Einzelhäuser gibt es nicht, alle sind zu Zweiergruppen oder größeren Reihen zusammengefasst. Die Häuser stehen dicht, aber nicht zu dicht. Es gibt viel Grün und genug Abstand in der Siedlung, ohne dass man sie großzügig nennen könnte. Manche Hausgruppen sind auf einer leichten Anhöhe errichtet; auch das schafft Abwechslung. Alle Häuser sind zweigeschossig, gedeckt mit mal steileren, mal flacheren Satteldächern. Die Reihenhäuser sind versetzt aneinander gekettet und durch hölzerne Erker geschickt aufgelockert. Die Uniformität der maschinell gebrannten Backsteine hat man durch die unterschiedliche Tönung der einzelnen Steine und den Wechsel von Läufern und Bindern durchbrochen. Es ist eine traditionelle Siedlung, orientiert an alter märkischer Backsteintradition, als hätte es die Moderne nie gegeben. Solide ist alles gearbeitet, sogar Fenstersturz und Fensterbänke sind gemauert. Im Zentrum des Wohnparks liegt ein Teich, ein Regenrückhaltebecken. Wo man junge Eltern mit ihren Kindern beim Entenfüttern erwarten würde, sieht man sich erstaunt von einem niedrigen Metallzaun abgehalten: "Betreten der Anlage verboten. Eltern haften für ihre Kinder." Doch sonst wirkt die Anlage im warmen Sonnenlicht ausnehmend freundlich. Auch die Rüdnitzer sind es. Im Drogeriemarkt begrüßt uns die Verkäuferin herzlich, und auch die Frau im Obstladen lächelt fröhlich. Draußen streift ein Dackel ohne Leine herum, und als wir weiterlaufen, ruft uns ein Radfahrer ein lautes "Guten Morgen" entgegen. Nur der Mann auf dem Rasenmäher grüßt nicht, aber der hat ja auch seinen Lärmschutz auf den Ohren. Irgendwie bin ich enttäuscht, dass man hier berlinert und nicht friesisch oder bayerisch spricht. Denn es liegt Ferienstimmung in der Luft. In der Mittagszeit riecht man bestimmt Sonnenöl. O |
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