| 15. Dezember 1999
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Ein Bureau ist ein BüroDer Zollernhof an den Linden erfüllte alle Ansprüche an Baukunst und Technik. Vor 80 Jahren. Heute steht das Haus Pietzsch daneben. Ein VergleichVON JÖRN PESTLINHaus Pietzsch. Unter den Linden 42/Ecke Neustädtische Kirchstraße, Mitte. Das Büro- und Geschäftshaus eröffnete im Dezember 1994. Es ist damit der erste nach dem Fall der Mauer im historischen Zentrum Berlins fertig gestellte Neubau. Erst eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes machte den Weg für die Bebauung des nur 15,71 mal 52,96 Meter kleinen Grundstückes frei. Die Gerichtsentscheidung räumte dem 50-Millionen-Mark-Projekt der "Unter den Linden 42 GbR" den Vorrang gegenüber den Rückgabeansprüchen der Alteigentümer ein. Markantestes Zeichen des Sawade-Baus ist ein schmales haushohes Atrium. Wie eine breite gläserne Fuge verbindet es den Neu- mit dem angrenzenden Altbau. Die so entstehende siebengeschossige Brandwand nutzen die Hausherren als überdimensionale Ausstellungswand. Durch verschiedene Neubauten erfährt die Straße Unter den Linden gegenwärtig eine Veränderung ihres Bildes. "Paläste des Verkehrs und des Handels entstehen und reden von der neuen, unternehmenden Zeit eine mächtige Sprache", verkündet selbstgewiss die "Bauwelt". Das war 1911. Das im selben Jahr eröffnete "Bureauhaus Zollernhof", Unter den Linden 56 (heute 36-38), war einer der besagten Paläste und eines der ersten vermietbaren Bürohäuser in Berlin. 81 Jahre später und zwei Hausnummern weiter legte die "Unter den Linden 42 GbR" 1992 den Grundstein für das Büro- und Geschäftshaus "Pietzsch". Obwohl Bruno Paul für den "Zollernhof" eine von historistischem Pomp freie, sachliche Fassade entwarf, liegen zwischen ihm und dem Rationalismus à la Jürgen Sawade dem Architekten des "Hauses Pietzsch" - ästhetisch mehr als nur zwei Hausnummern. Und dennoch haben die beiden Bürogebäude manche Gemeinsamkeit. Sawade nicht nur Rationalist, sondern auch bekennender Preuße und Vertreter der "Kritischen Rekonstruktion" - orientiert sich an Fluchtlinien und Traufhöhe der historischen Nachbarhäuser. Seine streng gerasterte Fassade hält sich wie der "Zollernhof" an die lindentypische Dreiteilung in Sockelzone, Hauptgeschosse und Attikabereich. Das eigentlich Verbindende der zwei Häuser liegt in ihrem Innern. Schon die Mieter des "Zollernhofes" durften selbst über die Aufteilung ihrer Büroflächen bestimmen. Um sein Grundstück optimal auszunutzen, setzte der Bauherr weniger aus architektonischer denn aus merkantiler Notwendigkeit ein hohes Walmdach auf die fünf Geschosse des "Zollernhofes"; so gewann er zusätzliche Fläche unter dem Dach. Sawade brachte bei gleicher Traufhöhe neun Geschosse unter. Zwei davon liegen unter der Erde, eines, zurückgesetzt, über der Traufkante. Mit knapp drei Metern bieten Büros im Haus Pietzsch zwar nicht die repräsentative Höhe wie die des Nachbarn, dafür sind sie kostengünstiger zu heizen und zu belüften. Gebäudetechnik war bereits 1911 ein Trumpf im Vermietungsgespräch. Mit Zentralheizung, elektrischem Licht, "schnell fahrenden Personenaufzügen" und Briefschächten von allen Etagen zum Sammelpostkasten erfüllte der "Zollernhof" seinerzeit die "höchsten Ansprüche der Geschäftswelt". Im Haus "Haus Pietzsch" heißt die moderne Technik heute: raum- und energiesparende Klimatechnik, prismatisch gesteuertes Tageslichtsystem, computergeregelte Belichtungstechnik oder automatisches Parksystem. Aber nicht nur technischer Komfort war und ist für Mieter wichtig. Mit "Spatenbräu und echtem Pilsner" warb das "Restaurant Zollernhof" zu seiner Eröffnung. Das Lokal mit mehr als 1000 Plätzen nahm fast das gesamte Erdgeschoss des Bureaugebäudes ein. So viele Plätze bietet das "Café Einstein" im "Haus Pietzsch" nicht, aber auch hier müssen die Mieter für ein Geschäftsessen nicht erst über die Straße gehen. |
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