| 09. April 2000
|
Intelligenter WohnenKüchengeräte springen auf Zuruf an, und eine sanfte Stimme diktiert das Rezept. Die Sicherheitsanlage meldet dem Handy, wenn Gefahr im Verzug ist, und jedes Gerät passt in jede Steckdose. Das Haus der Zukunft? Nein, erschwingliche Technik!Kurt SagatzDas Haus der Zukunft wird dem Haus der Vergangenheit ähnlicher sehen als dem der Gegenwart. Wie ein Paradoxon klingt der Slogan der Wohndesigner von Philips. Doch dahinter steht die Vision eines Hauses der nahen Zukunft, in dem Technik nicht mehr Selbstzweck ist, sondern im Dienste des Menschen und seiner Lebensqualität steht. Bald, so lautet die Kernaussage der Ausstellung La Casa Prossima Futura vom Elektromulti, werde die Technik so fortgeschritten und die Vernetzung so raffiniert sein, dass sie dem Bewohner wie eine intelligente, aber kostenlose Haushaltshilfe einen Großteil der Arbeit abnehmen. Zum Beispiel in der Küche. Per Sprachaktivierung kann der Koch Rezepte aus dem Netz aufrufen, die ihm eine angenehme Stimme dann vorliest. Dadurch bleiben die Hände beim Zubereiten der Speisen frei. Eine mündliche Aufforderung reicht, und der Computer schaltet die Kochplatten an oder aus. Die Philips-Ausstellung, die nach Mailand und New York bis Mitte Februar in Hamburg zu sehen war, kann man nun auch im Internet unter www.design.philips.com besuchen. Freilich existiert das Philips-Haus derzeit nur als Modell. Und manche Ideen der preisgekrönten Designstudie wird man erst in vielen Jahren realisieren können. Doch auf moderne Haustechnik muss bereits heute niemand verzichten. Vor allem die Vernetzung der verschiedensten Medien im Heim trieben die Techniker in den letzten Jahren entscheidend voran. Das von Siemens entwickelte und nun von Corning Cable Systems weitergeführte HomeWay-System bündelt Telefon, Fax, Internet, Radio und Fernsehen in einem zentralen Daten-Homeway . Die Idee dahinter ist bestechend einfach. Die verschiedenen Zugänge zu Fernseher, Telefon, Internet und Heizungszentrale laufen an einer so genannten Multimediazentrale zusammen. Dieses Nervenzentrum liegt meistens im Keller des Hauses und schickt über Koaxialkabel alle Signale an beliebig viele Universalsteckdosen im ganzen Haus. Dank austauschbarer Inlays kann der Mieter die Nutzung der einzelnen Steckdose beliebig verändern. Er kann zum Beispiel jederzeit und mit einem Handgriff einen Telefonanschluss gegen einen Antennenanschluss auswechseln. So kann man einen Fernseher, ein Telefon oder den Computer in jedem Raum anschließen. Dadurch gewährt HomeWay den Hausbewohnern eine Flexibilität, von der sie bislang allenfalls träumen konnten. Wer will, kann jeden Tag mehrmals mit seinem Faxgerät oder dem Fernseher innerhalb des Hauses umziehen. Die hohe Kapazität des Breitbandkabels ermöglicht auch die Übertragung größerer Datenmengen, und das ist besonders für das Satellitenfernsehen von Vorteil. Ganz billig ist dieser Luxus freilich nicht: Denn rund 350 Meter Kabel muss der Eigentümer in seinem Einfamilienhaus verlegen lassen. Den Möglichkeiten dieser hausinternen Datenleitungen hat der Konzern Siemens durch die Instabus-Technik und dem darauf aufbauenden Home Electronic System weitere Spielarten abgewonnen. Sie erlauben es, das Haus umfassend zu automatisieren und zu sichern. Nun erst wird das Haus wirklich intelligent . Öffnet man beispielsweise ein Fenster, so fährt das System automatisch den Regler der darunter liegenden Heizung herunter. Auch den abendlichen Rundgang von Fenster zu Fenster wird man sich künftig sparen können: Alle Rolladen des Hauses steuert der Computer zur programmierten Uhrzeit. Selbst als Wachschutz kann das Instabus-System dienen: Nähert sich ein Einbrecher, schicken die Sensoren ihre Daten über die zentrale Leitung an die Alarmanlage. Je nach Vorgaben benachrichtigt das Netz unverzüglich den Sicherheitsdienst, oder sie meldet das ungewöhnliche Treiben zunächst dem Eigentümer per Handy. Noch mehr kann der Zentralcomputer in Verbindung mit dem Internet. Ist der Kühlschrank defekt, prüft der Techniker zunächst über das Netz, wo der Fehler liegt und welche Ersatzteile er mitbringen muss. Um den Verbrauch von Strom, Gas oder Wasser abzulesen, muss niemand mehr im Haus auf den Handwerker warten: Auch das geht per Fernabfrage. Das Home Electronic System (HES) vernetzt auf der Basis des Instabus alle Geräte, die nicht unter den Begriff Elektroinstallation fallen, also Herd, Geschirrspüler, Waschmaschine, Kühl-Gefrier-Kombination oder Durchlauferhitzer. Europaweit entwickeln über 70 Firmen Geräte für das HES. Die Firma Süba Generalbau, der exklusive Instabus-Partner von Siemens im Neubaubereich, verlegt bei allen Projekten die Grundversion. Sie kostet rund 5000 DM. Je nach Bedarf kann der Bauherr weitere Pakete hinzukaufen, die dann zusammen maximal 20 000 Mark kosten. In naher Zukunft dürfte das Standard im Wohnungsbau werden. Das Haus der Zukunft gibt es also schon heute und es ist sogar erschwinglich. |
|
| [Seitenkopf] | [Archiv] | [Skyline] © 1999 SKYLINE Konzept + Design: TAGESSPIEGEL Online-Dienste GmbH |
||