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Im Schatten des Adlon
Arnt Cobbers und Ina Sinterhauf über die bauliche Realität der "Embassy Suites"
Immobilienlyrik kann so schön sein: "Das Lichtschwert setzt durch seine architektonisch einmalige Art wesentliche Akzente" und zeigt als "markanter Orientierungspunkt" die "Entwicklungstendenz zum Wahrzeichen". Ganz so poetisch wie die Worte aus dem Fondsprospekt geriet der Bau an der Ecke Wilhelm- und Behrenstraße dann doch nicht.
Das Gebäude im Windschatten des Adlon sollte ursprünglich eine Seniorenresidenz werden. Nun gestaltet man den Rohbau zum "Suiten-Hotel der Luxusklasse" um, in dem anspruchsvolle Berlin-Besucher Wochen und Monate logieren sollen. Das "Spitzenprodukt Embassy Suites" hat den Anspruch, den
Luxus eines Fünf-Sterne-Hotels mit der Intimität der eigenen Wohnung zu verbinden.
Großzügigkeit im Räumlichen gehört aber offensichtlich nicht dazu. Denn das Filetgrundstück ist bis zur Grenze des Erträglichen gefüllt. Ein rückwärtiger Seitenflügel verkleinert den Hinterhof so sehr, dass die Sonne kaum je dessen Boden erreichen dürfte. Das Erdgeschoss wird künftig Lobby und Restaurants beherbergen; darüber stapeln sich in sechs Etagen 52 Suiten, in Größen von anderthalb bis vier Zimmern.
Kleine Räume, schmale Fenster
Das aufwändige Interieur aus dem Fondsprospekt vermag man sich nur schwer vorzustellen im Inneren mutet der Rohbau noch reichlich piefig an. Küche, Bad und WC werden sehr klein ausfallen und nur elektrisch zu beleuchten sein. Aber auch in den vorderen Wohn- und Schlafzimmern dürfte es das Tageslicht schwer haben, durch die schmalen Fenster ins Innere zu gelangen. Luxus stellt man sich anders vor.
Die Fassade dagegen ist zwar im Detail sorgfältig gearbeitet, bleibt im Ganzen aber doch recht eintönig. Distanziert und kühl wirkt der hellgraue Naturstein neben dem warmen Sandstein der Nachbarbauten. Auch das Thema Lochfassade hat man schon interessanter variiert gesehen. Gustav Peichl, seines Zeichens österreichischer Stararchitekt, hat den Fenstern der langen Südfront Schiebeläden vorgesetzt. Diese laufen auf großen Metallschienen vor der Fassade. Eine überzeugende Idee, wenn auch nur von außen. Denn damit sich Fenster und geöffneter Schiebeladen zum Quadrat ergänzen, mussten die Fenster reichlich schmal ausfallen. Ganz abgesehen davon, dass sie wieder mal eintönig gereiht sind und keinen Rückschluss auf die Raumfluchten im Inneren zulassen.
Die Hintertür zum Adlon
Ihren Pfiff erhält die Fassade durch besagtes "Lichtschwert": eine senkrechte, grün verglaste Stele, die halb in, halb vor der aufgebrochenen Gebäudeecke steht. Für die Räume im Inneren ist dadurch allerdings nichts gewonnen. Durch kleine Fenster lugt man aus der Ecknische nach draußen ein verschenkter Effekt. Solche Vordergründigkeit prägt den Bau überall, selbst in der Dachzone, die in drei Geschossen zurückgestaffelt und mit Metalllamellen verkleidet ist. Vor der 150 Quadratmeter großen Präsidentensuite oberhalb der Traufhöhe verläuft eine schmale Terrasse, auf der man gerade mal einen Liegestuhl längs aufstellen kann.
Die "Vergangenheit" als Seniorenresidenz sieht man dem Bau außen wie innen an, der Wandel zum Luxushotel wird nicht ganz einfach. Doch falls er scheitert: Die Tür zum Adlon liegt gleich nebenan. Die Hintertür.
Stars statt Rentner
Der wundersame Wandel einer Seniorenresidenz zum Suiten-Hotel. Von Stefan Loipfinger
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Titelbild |
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